Fehlerhafter Bilanzansatz: Korrektur bei Betriebsveräußerung

Ist der Ansatz für ein Wirtschaftsgut in Ihrer Bilanz fehlerhaft und hat sich dies erfolgswirksam bemerkbar gemacht, müssen Sie den Bilanzierungsfehler grundsätzlich auch erfolgswirksam berichtigen. Dies muss generell im Jahr der fehlerhaften Erfassung des Bilanzansatzes erfolgen. Ist eine Korrektur nicht möglich, weil der alte Steuerbescheid verfahrensrechtlich nicht mehr zu ändern ist (Bestandskraft oder Verjährung), haben Sie die Berichtigung im ersten Wirtschaftsjahr nachzuholen, in dem dies mit steuerlicher Wirkung machbar ist.

Wird just in diesem Jahr der Betrieb verkauft oder aufgegeben, ist zwischen zwei verschiedenen Konstellationen zu unterscheiden:

  1. Bei der Veräußerung oder Aufgabe des gesamten Gewerbebetriebs ist eine letzte Schlussbilanz zu erstellen. Diese Bilanz schließt die laufende gewerbliche Tätigkeit ab. Bei der Ermittlung des Veräußerungs- bzw. Aufgabegewinns ist der Buchwert der vorhandenen Wirtschaftsgüter aus der letzten Schlussbilanz zu entnehmen und dann dem Verkaufspreis gegenüberzustellen.
  2. Bei einer Teilbetriebsveräußerung besteht keine Pflicht, den Veräußerungs- bzw. Aufgabegewinn mittels einer separaten Aufgabebilanz zu ermitteln. Diese stellt für den Gesamtbetrieb nämlich nur einen laufenden Geschäftsvorfall dar und bedarf deshalb keiner formellen Schlussbilanz. Ungeachtet dessen sind bei der Ermittlung der Buchwerte der veräußerten Wirtschaftsgüter die aufgrund von Bilanzierungsfehlern nichterfassten Positionen zu berücksichtigen.

Denn bei der tarifbegünstigten Veräußerung eines Teilbetriebs soll die Besteuerung der stillen Reserven sichergestellt werden. Dies erfordert eine Differenzierung zwischen den Gewinnen aus dem laufenden Geschäftsbetrieb und denen aus der Veräußerung oder Aufgabe. Diesem Gedanken würde es widersprechen, wenn beim zulässigen Fehlen einer Schlussbilanz die im Vorjahr bilanzierten unrichtigen Buchwerte ohne Korrektur außerhalb der laufenden Buchführung in die Ermittlung des Veräußerungs- oder Aufgabegewinns einfließen würden. Denn hierdurch ließe sich unzulässigerweise laufender Gewinn in die Sphäre des begünstigten Veräußerungsgewinns verlagern.

Hinweis: Gegen dieses Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen über Bilanzfehler bei einer Teilbetriebsveräußerung wurde Revision eingelegt. Dies soll Gelegenheit bieten, zu den aufgeworfenen Fragen hinsichtlich der Ermittlung des Veräußerungs- oder Aufgabegewinns bei fehlender letzter Schlussbilanz Stellung zu nehmen.

Betrieblicher Fuhrpark: Teure Autos und Oldtimer sind Privatvergnügen

Benötigen Sie als Unternehmer, Freiberufler oder Gesellschafter ein betriebliches Fahrzeug? Dann können Sie die Abschreibung auf den Kaufpreis oder die Leasingraten sowie laufende Aufwendungen für das Kfz als Betriebsausgaben absetzen und insoweit den steuerpflichtigen Gewinn mindern.

Dies gilt allerdings nicht immer: Ein teurer, luxuriöser oder sportlicher Wagen kann nach allgemeiner Verkehrsauffassung durchaus als unangemessen gelten und somit Kosten verursachen, die zur privaten Lebensführung gehören. Dieses gesetzliche Betriebsausgabenabzugsverbot gilt insbesondere für die Unterhaltung von Pkws, Flugzeugen sowie Segel- und Motorjachten.

Dabei ist bei der Gewinnermittlung nicht der Kaufpreis unangemessen, sondern erst die daraus resultierenden Abschreibungen (AfA). Daher ist der Wagen selbst dann mit den vollen Anschaffungskosten in der Bilanz oder der Einnahmenüberschussrechnung auszuweisen, wenn sein Kaufpreis laut Finanzamt zu üppig ist. Er ist auch in der üblichen Weise abzuschreiben. Derjenige Teil der AfA, der als unangemessene Betriebsausgabe gilt, ist in einem zweiten Schritt dem Gewinn wieder hinzuzurechnen. Die übrigen laufenden Betriebskosten - wie Kfz-Steuer und -versicherung, Aufwendungen für Kraftstoff, Garage oder Reparaturen - dürfen hingegen in der Regel voll abgesetzt werden, da sie auch für einen angemessenen Wagen angefallen wären. Bei einem geleasten Fahrzeug wird mit den Raten wie bei der AfA verfahren: Der unangemessene Teil der Zahlungen wird dem Gewinn hinzugerechnet.

Beispiel: Ein Unternehmer erwirbt einen Sportwagen für 210.000 EUR; laut Finanzamt wäre die Hälfte angemessen gewesen. An laufenden Kosten fallen jährlich 10.000 EUR an. Der volle Kaufpreis wird bilanziert oder ins Anlageverzeichnis eingestellt. Auf diesen ergibt sich über die Nutzungsdauer eine jährliche AfA von 35.000 EUR, die zur Hälfte wieder dem Gewinn hinzuzurechnen ist.

Die Kosten für teure und sportliche Fahrzeuge können aber auch insgesamt nicht zum steuerlichen Abzug zugelassen werden. Dies trifft beispielsweise auf einen Jaguar E-Type mit Baujahr 1973 zu, der als Oldtimer mit historischem Kennzeichen ("H") ausschließlich betrieblich genutzt wird. In diesem Fall liegen selbst dann unangemessene Repräsentationsaufwendungen vor, wenn der Wagen bei Kundenbesuchen eingesetzt wird. Die Richter, die dies entschieden, verwiesen auf das Abzugsverbot bei Aufwendungen für Jagd und Fischerei, Jachten sowie ähnliche Zwecke: Ein Oldtimer weist eine vergleichbare Nähe zur privaten Lebensführung auf und dient ebenfalls der Freizeitgestaltung. Er bietet weder den Komfort noch den Sicherheitsstandard eines Neuwagens, kann aber wegen seines Erscheinungsbildes, seiner Motorisierung und Seltenheit ein Liebhaberinteresse beim Halter auslösen. Damit dient er eher dazu, Geschäftsfreunde zu unterhalten oder privaten Neigungen nachzugehen als betrieblich notwendige Interessen zu verfolgen.

Geschäftsveräußerung im Ganzen: BFH weist auf Stolperfallen hin

Kürzlich hat sich der Bundesfinanzhof wieder einmal mit den Voraussetzungen einer sogenannten Geschäftsveräußerung im Ganzen beschäftigt und die bestehenden Grundsätze bestätigt. Die Geschäftsveräußerung im Ganzen ist ein spezielles umsatzsteuerliches Institut bei Unternehmensveräußerungen, eigentlich eine Vereinfachungsregelung, die in der Praxis aber immer wieder zu Problemen bei der rechtlichen Einordnung führt. 

Beispiel: Handwerksmeister H möchte sich zur Ruhe setzen. Er verkauft daher seinen gesamten Betrieb, bestehend aus Grundstück, Gebäude und Inventar (einschließlich Maschinen, Werkzeuge und Verbrauchsmaterial), an einen anderen Handwerker.

Nach der Systematik des Umsatzsteuerrechts würde H eigentlich eine Vielzahl von Lieferungen ausführen. Er müsste jeden einzelnen Gegenstand gesondert liefern und darüber gegebenenfalls eine Rechnung mit gesondert ausgewiesener Umsatzsteuer erstellen. Bei einer Geschäftsveräußerung im Ganzen kann dagegen der gesamte Gewerbebetrieb als Einheit an einen anderen Unternehmer veräußert werden. Dieser Vorgang ist umsatzsteuerlich irrelevant, da keine Umsatzsteuer anfällt, und auch die Verpflichtung zur Erstellung von Einzelrechnungen entfällt.

Die Geschäftsveräußerung im Ganzen setzt die Übereignung eines Unternehmens oder eines in der Gliederung des Unternehmens gesondert geführten Betriebs im Ganzen voraus. Bei der Veräußerung einer vermieteten Immobilie kann ein einzelnes Gebäude als gesondert geführter Betrieb angesehen werden, selbst wenn der Verkäufer noch weitere Immobilien vermietet. Er muss nicht seine gesamte unternehmerische Tätigkeit aufgeben. Der Erwerber des Unternehmens wiederum muss tatsächlich beabsichtigen, das Unternehmen weiter fortzuführen.

Da bei der Geschäftsveräußerung im Ganzen keine Umsatzsteuer anfällt, kommt es hier häufig zu Streitigkeiten. Insbesondere die Fortführung des Unternehmens ist fehleranfällig.

Beispiel: Der Vermieter V hat eine Halle umsatzsteuerpflichtig an einen Großhändler vermietet. Aus Altersgründen möchte er diese nun an den Großhändler verkaufen, der sie weiterhin für sein Unternehmen nutzen will.

In diesem Fall liegen die Voraussetzungen für eine Geschäftsveräußerung im Ganzen nicht vor, denn das Vermietungsunternehmen des V wird nicht fortgeführt. Mit dem Verkauf an den Mieter wird das Unternehmen eingestellt, da der Mieter das Gebäude für eigene unternehmerische Zwecke (Großhandel) nutzt und kein Vermietungsunternehmen betreibt.

Hinweis: Gerade bei der Immobilienveräußerung ist die Abgrenzung der Geschäftsveräußerung im Ganzen nicht immer einfach. Sie sollten daher darauf achten, dass Ihr Notar frühzeitig mit uns Kontakt aufnimmt, damit wir die richtigen steuerlichen Konsequenzen ziehen können.

Mindestbemessungsgrundlage: BFH schränkt Anwendung bei Leistungen an nahestehende Personen ein

Entgeltliche Leistungen, die Körperschaften, Personenvereinigungen und Gemeinschaften im Rahmen ihres Unternehmens an ihre Anteilseigner, Gesellschafter, Mitglieder, Teilhaber oder diesen nahestehende Personen erbringen, unterliegen bei der Umsatzsteuer der Mindestbemessungsgrundlage. Diese Bemessungsgrundlage wird dann zur Berechnung der Umsatzsteuer verwendet, wenn entweder kein Entgelt vorhanden oder bei einem Geschäft zwischen nahestehenden Personen ein Entgelt unterhalb des üblichen Marktpreises vereinbart worden ist. Bei Anwendung der Mindestbemessungsgrundlage gelten der Einkaufspreis, die Selbstkosten oder die zum Vorsteuerabzug berechtigenden Ausgaben als umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage.

Um die Mindestbemessungsgrundlage anwenden zu können, muss nach Ansicht des Bundesfinanzhofs allerdings die Gefahr einer Steuerhinterziehung oder -umgehung bestehen. Genau hieran fehlt es nach Auffassung der Richter aber, wenn ein Unternehmer von einer nahestehenden Person ein Entgelt verlangt, das zwar niedriger ist als marktüblich, er seine Leistung aber in Höhe des marktüblichen Entgelts versteuert.

Hinweis: Leistungen zwischen Gesellschaften und Gesellschaftern sowie ihnen nahestehenden Personen prüft die Finanzverwaltung stets auf Marktüblichkeit. Es empfiehlt sich, diese frühzeitig mit uns im Hinblick auf steuerliche Konsequenzen zu untersuchen, um ungewollte Steuernachteile zu vermeiden.

Vorsteuerabzug: Zuordnung zum Unternehmensvermögen zeitnah dokumentieren!

Grundsätzlich können Sie als Unternehmer einen Gegenstand, den Sie sowohl für unternehmerische als auch für private Zwecke verwenden (gemischt genutzter Gegenstand), komplett Ihrem Unternehmensvermögen zuordnen. Voraussetzung ist lediglich, dass die unternehmerische Nutzung mindestens 10 % beträgt. Haben Sie den Gegenstand Ihrem Unternehmensvermögen zugeordnet, können Sie aus der Anschaffung den Vorsteuerabzug geltend machen.

Beispiel: Unternehmer U kauft sich ein neues Fahrzeug. Er will es sowohl privat als auch unternehmerisch nutzen. Die voraussichtliche unternehmerische Nutzung wird bei ca. 30 % liegen.

Obwohl im Beispiel die unternehmerische Nutzung weniger als 50 % beträgt, kann U die gesamte Vorsteuer aus dem Erwerb des Fahrzeugs steuermindernd geltend machen. Allerdings muss er die private Nutzung zeitlich gestreckt versteuern. Die Versteuerung erfolgt in diesem Fall über die gesamte Nutzungsdauer des Gegenstands für einzelne Zeiträume. Da die private Nutzung somit nicht auf einmal, sondern über einen Zeitraum verteilt oder gestreckt erfolgt, ergibt sich ein Zinsvorteil. Denn der Vorsteuerabzug wird sofort und über die gesamte Summe vorgenommen.

Bei teuren Investitionsgütern kann ein hoher Vorsteuerabzug steuerlich sehr interessant sein, da sich ein Zinsvorteil ergibt. Für Grundstücke und Gebäude ist seit dem 01.01.2011 der volle Vorsteuerabzug auch für die private Nutzung nicht mehr möglich. Der Gesetzgeber hat hier dem sogenannten Seeling-Modell einen Riegel vorgeschoben. (Nach dem Seeling-Modell konnte die Umsatzsteuer, die beim Erwerb gemischt genutzter Gegenstände anfällt, vollständig und sofort als Vorsteuer abgezogen werden, wenn man sich dafür entschied, diese Gebäude seinem Unternehmen zuzuordnen.)

Bei der Zuordnung haben Sie als Unternehmer ein Wahlrecht: Ordnen Sie einen gemischt genutzten Gegenstand nicht Ihrem Unternehmensvermögen zu, können Sie keinen Vorsteuerabzug aus der Anschaffung geltend machen. Sie können die Zuordnung aber auch auf einen prozentualen Anteil beschränken.

Beispiel: Unternehmer U nutzt ein Fahrzeug zu 20 % unternehmerisch und ordnet es auch nur in diesem Umfang seinem Unternehmen zu.

Nachteil dieser partiellen Zuordnung ist, dass bei einer späteren Ausweitung der unternehmerischen Nutzung kein zusätzlicher Vorsteuerabzug mehr geltend gemacht werden kann. Es empfiehlt sich daher regelmäßig, eine Zuordnung zu 100 % zu wählen.

Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs muss die Zuordnungsentscheidung zeitnah dokumentiert werden. In der Regel geschieht das durch die Geltendmachung der Vorsteuer in der entsprechenden Umsatzsteuervoranmeldung. Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat nun entschieden, dass eine Zuordnung, die erst 17 Monate nach Ablauf des Veranlagungszeitraums in der Umsatzsteuerjahreserklärung erfolgt, nicht mehr zeitnah ist.

Hinweis: Sie sollten daher bei allen Anschaffungen, die sowohl den unternehmerischen als auch den privaten Bereich betreffen, Kontakt mit uns aufnehmen. Nur so ist sichergestellt, dass eine zeitnahe Zuordnung für den Vorsteuerabzug dokumentiert werden kann.

Auch bei Grundstücken ist eine zeitnahe Zuordnung hinsichtlich des privat genutzten Teils weiterhin äußerst wichtig. Sollte sich nämlich die spätere Nutzung des privaten Teils zu einer unternehmerischen ändern, kann das Finanzamt die Vorsteuerkorrektur mit dem Hinweis auf eine fehlende Zuordnung versagen. Es ist daher sehr sinnvoll, auch die privat genutzten Gebäudeteile erst einmal dem Unternehmensvermögen zuzuordnen, selbst wenn zunächst keine Vorsteuer aus diesen geltend gemacht werden kann. Denn für eine spätere Vorsteuerkorrektur muss die Zuordnung auch hier zeitnah dokumentiert sein.

Übernachtung mit Frühstück: Verpflegung ist keine begünstigte Nebenleistung

Als Betreiber eines Hotels bieten Sie Ihren Kunden sicher auch Übernachtungen mit Frühstück zum Pauschalpreis an. Zwar gewährt der Gesetzgeber seit dem 01.01.2010 für Übernachtungen den begünstigten Umsatzsteuersatz von 7 %. Doch sollen nach Ansicht der Finanzverwaltung Verpflegungsleistungen wie Frühstück, Halb- oder Vollpension sowie All-inclusive-Angebote als eigene Leistungen dem vollen Steuersatz von 19 % unterliegen.

Beurteilt man eine Verpflegungsleistung allerdings als Nebenleistung zur Übernachtung, gilt im Umsatzsteuerrecht der Grundsatz, dass die Nebenleistung das Schicksal der Hauptleistung teilt. Folglich müsste auch die Verpflegung dem ermäßigten Steuersatz unterworfen werden. Mit dieser Problematik hat sich jüngst das Finanzgericht Sachsen (FG) auseinandergesetzt.

Die Betreiberin eines Hotels mit angeschlossenem Restaurant bot ihren Hotelgästen ausschließlich Übernachtungen mit Frühstück zum Pauschalpreis an. Der Preis enthielt ein Buffetfrühstück, auf das nach eigener Kalkulation ein Anteil von 8 EUR (brutto) pro Person entfiel. Alternativ konnten die Gäste auf Wunsch ein vereinfachtes Tellerfrühstück wählen, welches mit einem Anteil von 4,80 EUR (brutto) bemessen wurde, ohne dass damit eine Minderung des Zimmerpreises verbunden war. In ihrer Umsatzsteuervoranmeldung unterwarf die Hotelbetreiberin die Frühstücksumsätze dem ermäßigten Steuersatz mit der Begründung, dass diese unmittelbar der Hauptleistung Übernachtung dienen.

Die Richter des FG haben dies allerdings anders gesehen und den vollen Steuersatz für anwendbar erklärt: Ihrer Ansicht nach handelt es sich um selbständige Leistungen, die nicht unmittelbar der Übernachtung dienen. Mit den Leistungen der Schlafmöglichkeit einerseits und der Nahrungsaufnahme andererseits werden unterschiedliche Bedürfnisse befriedigt. Der Frühstücksleistung kommt demnach eine eigenständige Bedeutung zu, denn ein Hotelgast kann diese Mahlzeit ja auch außerhalb zu sich nehmen. Auch sind die beiden Leistungen laut FG weder rechtlich noch tatsächlich derart miteinander verknüpft, dass die eine ohne die andere nicht erbracht werden kann; der Pauschalpreis ist hierbei irrelevant. All dies entspricht nach Ansicht des Gerichts auch dem gesetzgeberischen Willen, Verpflegungsleistungen im Zusammenhang mit Übernachtungen nicht ermäßigt zu besteuern.

Hinweis: Das Finanzgericht hat gegen seine Entscheidung das Rechtsmittel der Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.

Umsatzsteuer: Details zur Steuerfreiheit für den Krankentransport

Die Beförderung kranker und verletzter Personen ist von der Umsatzsteuer befreit. Voraussetzung ist allerdings, dass der Transport in einem Fahrzeug erfolgt, welches nach seiner gesamten Bauart und Ausstattung speziell zu diesem Zweck bestimmt und besonders eingerichtet ist. Unzweifelhaft trifft dies zum Beispiel auf Krankenwagen oder behindertengerecht umgebaute Fahrzeuge zu. Für die Inanspruchnahme der Steuerbefreiung ist keine dauerhafte Umrüstung erforderlich. Auch gilt die Steuerbefreiung nicht nur für die Beförderung von akut erkrankten und verletzten Personen, sondern auch für den Transport von Personen, die körperlich oder geistig behindert und auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums gelten insbesondere für Fahrzeuge, die noch mit serienmäßigen Sitzen ausgestattet sind, die folgenden steuerlichen Grundsätze:

  • Für die Steuerbefreiung reicht es nicht aus, serienmäßige Pkws lediglich mit einem blauen Rundumlicht und Einsatzhorn (sogenanntes Martinshorn) auszurüsten.
  • Nicht ausreichend ist die Ausstattung mit einer Trage und einer Grundausstattung für Erste Hilfe.
  • Ausreichend ist jedoch unter anderem eine Bodenverankerung für Rollstühle, eine Auffahrrampe sowie eine seitlich ausfahrbare Trittstufe.
  • Befördert der Unternehmer neben kranken oder verletzten Personen in einem hierfür besonders eingerichteten Fahrzeug weitere Personen, ist das Entgelt, das auf die Beförderung der weiteren Personen entfällt, steuerpflichtig. Ein für steuerfreie und steuerpflichtige Beförderungsleistungen einheitliches Entgelt muss er aufteilen.

Unternehmereigenschaft: Ein Sammler muss sich wie ein Händler verhalten

Als Unternehmer können Sie die Umsatzsteuer, die Ihnen andere Unternehmer in Rechnung stellen, als Vorsteuer abziehen, wenn

  • Ihnen über die für Ihr Unternehmen bezogene Leistung eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt und
  • Sie selbst keine Umsätze ausführen, die den Vorsteuerabzug ausschließen.

In einem aktuellen Streitfall musste der Bundesfinanzhof (BFH) über die Unternehmereigenschaft eines Sammlers von Oldtimern urteilen. Ihm zufolge setzt eine zum Vorsteuerabzug berechtigende unternehmerische Tätigkeit - in Abgrenzung zu einer privaten Sammlertätigkeit - voraus, dass sich der Sammler bereits beim Aufbau der Sammlung wie ein Händler verhält. Damit bestätigt der BFH seine bisherige Rechtsprechung.

Erwerberhaftung: Bruchteilsgemeinschaft haftet als Gesamtschuldner!

Übernehmen Sie einen Betrieb, müssen Sie neben den handelsrechtlichen auch die steuerrechtlichen Haftungstatbestände sorgfältig prüfen. Im Gegensatz zur handelsrechtlichen Haftung können Sie als Betriebsübernehmer Ihre steuerrechtliche Haftung nämlich nicht ausschließen. Wird ein Unternehmen oder ein in der Gliederung eines Unternehmens gesondert geführter Betrieb im Ganzen übereignet, so haftet der Erwerber in der Regel für die Steuern, bei denen sich die Steuerpflicht auf den Betrieb des Unternehmens gründet. Dies gilt, soweit die Steuern seit Beginn des letzten Kalenderjahres vor der Übereignung entstanden sind und bis zum Ablauf eines Jahres nach Anmeldung des Betriebs durch den Erwerber festgesetzt oder angemeldet werden.

Erwerben mehrere Personen ein Unternehmen zu Miteigentum nach Bruchteilen, so haften sie nach einer aktuellen Entscheidung des Bundesfinanzhofs aufgrund der gemeinsamen Tatbestandsverwirklichung als Gesamtschuldner. Der Haftungsschuldner kann Einwendungen nicht nur gegen die Haftungsschuld, sondern auch gegen die Steuerschuld erheben, für die er als Haftungsschuldner in Anspruch genommen wird.

Insolvenzfall: BFH stärkt den Umsatzsteueranspruch des Fiskus!

Wird über das Vermögen eines Unternehmers, der umsatzsteuerpflichtige Leistungen erbringt, das Insolvenzverfahren eröffnet, vereinnahmt der Insolvenzverwalter regelmäßig Forderungen aus Leistungen, die der Unternehmer bis zur Verfahrenseröffnung erbracht hat. Diese Forderungen setzen sich aus dem Entgelt und dem Umsatzsteueranteil für die erbrachte Leistung zusammen. Bislang wurden sie in voller Höhe für die Masse vereinnahmt.

Dieser Praxis in der Insolvenzverwaltung erteilt der Bundesfinanzhof (BFH) nun eine Absage: Vereinnahmt der Insolvenzverwalter eines Unternehmens das Entgelt für eine vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens ausgeführte Leistung, begründet dies nicht nur bei der Istbesteuerung eine Masseverbindlichkeit, sondern auch bei der Sollbesteuerung. (Die Masseverbindlichkeit wird bei einer Insolvenz vor den anderen - meist nach Eintritt der Insolvenz entstandenen - Verbindlichkeiten in voller Höhe aus der Vermögensmasse bedient.) Diese Entscheidung ist für die Praxis der Unternehmensinsolvenz von enormer Bedeutung und führt zu einer deutlichen Minderung der Insolvenzmasse. Der BFH stärkt damit den Umsatzsteueranspruch des Fiskus im Insolvenzfall, da selbst bei der Sollbesteuerung der volle Umsatzsteueranteil als Masseverbindlichkeit an den Fiskus auszukehren ist.